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Markt & Prognose · Witten

Immobilienpreise Witten 2027: Günstig, aber im Aufholen

Witten hat im Ennepe-Ruhr-Kreis das niedrigste Bodenpreisniveau der Ruhr-Städte, zieht bei den Richtwerten aber gerade am stärksten an. Gleichzeitig wird hier so wenig gebaut wie nirgends sonst im Kreis. Was das für Eigentümer bedeutet.

Oliver Faber, 4West Immobilienpartner
Oliver Faber Geschäftsführer & Immobilienmakler bei 4West Immobilienpartner
30. Oktober 2026 · 8 Min. Lesezeit
Die kurze Antwort

Witten ist die größte der drei Ruhr-Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis und die günstigste. Die Bodenrichtwerte liegen unter denen von Hattingen und Sprockhövel, stiegen 2026 aber mit fünf bis sieben Prozent am stärksten. Beim Neubau ist Witten dagegen Schlusslicht: 61 genehmigte Wohnungen bei einem Zehnjahresschnitt von 136. Auf sinkende Bauzinsen sollte vor 2028 niemand setzen.

Bauzinsen Prognose 2027: was Wittener Eigentümer erwartet

Die Bauzinsen sind 2026 nicht gefallen, sondern gestiegen. Seit Juli um rund 0,8 Prozentpunkte.

Bevor wir über Wittener Preise sprechen, muss die Zinsfrage geklärt sein. Sie bestimmt, wie groß der Kreis möglicher Käufer überhaupt ist, und sie wird von vielen Eigentümern falsch eingeschätzt.

Die Europäische Zentralbank hat den Einlagesatz 2026 zweimal angehoben, im Juni von 2,00 auf 2,25 Prozent und im September auf 2,50 Prozent. In der Sitzung am 29. Oktober 2026 blieb es bei diesem Niveau. Entsprechend liegen die Bauzinsen für zehn Jahre Sollzinsbindung Ende Oktober zwischen 4,15 Prozent bei niedrigem und 4,53 Prozent bei hohem Beleihungsauslauf.

Für 2027 erwartet die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute (ifo, IfW Kiel, IWH und RWI) eine weitere Anhebung im Dezember 2026 auf 2,75 Prozent und danach ein Halten über das gesamte Jahr 2027. Spielraum für Senkungen sehen die Institute erst 2028. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen im Euroraum dürften laut derselben Quelle bei rund 3,7 Prozent verharren.

Fairerweise gehört dazu: Eine belastbare Punktprognose für die Bauzinsen 2027 gibt es nicht. Weder die Bundesbank noch die großen Research-Abteilungen veröffentlichen eine. Was auf Ratgeberseiten kursiert, hat meist keine nachvollziehbare Grundlage. Planbar ist ein Niveau um 4,2 bis 4,5 Prozent, alles andere ist Wette.

Warum es für Witten keine eigenen Umsatzzahlen gibt

2.204 auswertbare Kauffälle und 660,9 Millionen Euro Geldumsatz, jeweils 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

Eine Vorbemerkung zur Datenlage, weil sie für das Verständnis wichtig ist. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Ennepe-Ruhr-Kreis wertet die Kaufverträge für alle kreisangehörigen Städte gemeinsam aus. Kauffälle und Geldumsätze werden deshalb nur kreisweit veröffentlicht, nicht je Stadt. Was es je Stadt gibt, sind Bodenrichtwerte und sogenannte Gebäudefaktoren, also Modellpreise je Quadratmeter Wohnfläche. Genau diese Werte stehen weiter unten.

Kreisweit lief 2025 gut. Die Zahl der auswertbaren Kauffälle stieg um 14 Prozent auf 2.204, der Geldumsatz ebenfalls um 14 Prozent auf 660,9 Millionen Euro. Besonders deutlich zogen Eigentumswohnungen an: 925 Kaufverträge bedeuten ein Plus von 30 Prozent, und die Durchschnittspreise im Weiterverkauf stiegen um rund sieben Prozent. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern waren es 660 Verträge, ein Plus von fünf Prozent.

Preisindex Ennepe-Ruhr-Kreis (2010 = 100)2022202320242025
Freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser219,1198,3194,2204,9
Doppel- und Reihenhäuser217,1200,3201,0201,3
Eigentumswohnungen (Weiterverkauf)223,5208,3204,0218,0

Beide Hauptsegmente haben also 2025 deutlich aufgeholt, liegen aber noch unter dem Gipfel von 2022: Häuser rund 6,5 Prozent, Wohnungen rund 2,5 Prozent.

Eine Zahl erklärt den Markt im Kreis besser als jede andere: Es gibt nur ein einziges Neubaugebiet mit unbebauten Grundstücken. Neubau findet fast ausschließlich als Baulückenschluss oder als Abriss mit Neubau statt. Wer hier ein Haus besitzt, besitzt etwas, das kaum nachproduziert wird.

Bodenrichtwerte Witten 2026 steigen am stärksten im Kreis

Die Bodenrichtwerte für freistehende Häuser stiegen in guter Lage von 300 auf 315 Euro. Das ist der stärkste Zuwachs der drei Ruhr-Städte im Kreis.

Witten liegt beim Bodenpreis deutlich unter Hattingen und Sprockhövel. Für ein freistehendes Ein- oder Zweifamilienhaus nennt der Bericht 315 Euro je Quadratmeter in guter, 250 Euro in mittlerer und 205 Euro in einfacher Lage. Zum Vergleich: In Hattingen sind es 370 und 310 Euro.

Interessanter als der Abstand ist die Bewegung. Während die Richtwerte in Hattingen und Sprockhövel zum Stichtag unverändert blieben, stiegen sie in Witten: bei freistehenden Häusern in guter Lage von 300 auf 315 Euro, in mittlerer von 245 auf 250 Euro. Bei Doppelhaushälften ging es von 300 auf 320 Euro, bei Reihenmittelhäusern ebenfalls von 300 auf 320 Euro. Das sind fünf bis sieben Prozent.

Modellpreis je m² WohnflächeEigentumswohnungFreistehendes HausDoppel-/Reihenhaus
Baujahr bis 19491.800 bis 1.900 €2.750 bis 2.950 €2.350 €
1950 bis 19742.000 €2.800 €2.750 €
1975 bis 19941.850 bis 2.250 €3.200 €3.050 €
1995 bis 20092.200 bis 2.700 €3.450 €3.300 €
2010 bis 2021–3.700 €3.700 €

Auffällig ist die Spreizung nach Baujahr. Zwischen einem Haus von 1960 und einem von 2015 liegen in Witten rund 900 Euro je Quadratmeter. Bei 140 Quadratmetern Wohnfläche sind das über 120.000 Euro Unterschied. Energetischer Zustand und Modernisierungsstand entscheiden hier stärker als in teureren Lagen.

Bei den Angebotspreisen nennt die NRW.BANK für Bestandswohnungen 2.272 Euro je Quadratmeter und für Bestands-Eigenheime 449.000 Euro. Bemerkenswert ist der Unterschied in der Dynamik: Wohnungen legten über drei Jahre um 7,2 Prozent pro Jahr zu, Eigenheime nur um 2,5 Prozent. In Witten läuft der Wohnungsmarkt dem Häusermarkt davon.

Neubau: Witten ist Schlusslicht im Kreis

61 genehmigte Wohnungen im Jahr 2024, bei einem Zehnjahresschnitt von 136. Das ist weniger als die Hälfte.

Witten ist mit 91.808 Einwohnern die mit Abstand größte der drei Städte, baut aber am wenigsten. Die 61 genehmigten Wohnungen im Jahr 2024 liegen deutlich unter dem Dreijahresschnitt von 119 und dem Zehnjahresschnitt von 136. Fertiggestellt wurden 23 Wohnungen. Der Bauüberhang von 439 Wohnungen ist zwar der größte der drei Städte, aber eben genehmigt und nicht gebaut.

Für Eigentümer von Bestandsimmobilien ist das eine stützende Nachricht. Wer in Witten wohnen will, findet praktisch keinen Neubau und weicht auf den Bestand aus.

Zur Einordnung gehört aber auch: Witten hat unter den drei Städten die höchste Mindestsicherungsquote mit 12,9 Prozent, gegenüber 11,4 Prozent in Hattingen und 6,3 Prozent in Sprockhövel. Und die Wohnungen sind mit durchschnittlich 84,8 Quadratmetern die kleinsten. Nur 28,1 Prozent des Bestands liegen in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Die Einwohnerzahl wird für Ende 2024 mit 91.808 angegeben, bei einem ausgewiesenen Rückgang von 3,5 Prozent über drei Jahre. Dieser Wert ist mit Vorsicht zu lesen: Ein erheblicher Teil davon ist die Umstellung der Statistik nach dem Zensus 2022, nicht tatsächlicher Wegzug.

Immobilienpreise Prognose 2027: Witten zwischen den Studien

Bundesweit rechnen die Häuser mit rund drei Prozent Preiszuwachs. Für das Ruhrgebiet fällt die einzige Langfristprognose deutlich zurückhaltender aus.

Bundesweit sieht die Lage freundlich aus. Der Immobilienpreisindex des Verbands deutscher Pfandbriefbanken, der auf echten Finanzierungsdaten von über 700 Banken beruht und deshalb die belastbarste Quelle ist, zeigt für das zweite Quartal 2026 ein Plus von 1,9 Prozent bei Wohnimmobilien. Für 2027 nennen der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken, gerechnet vom Institut der deutschen Wirtschaft, rund drei Prozent nominal, eine Reuters-Expertenumfrage ebenfalls rund drei Prozent, die Commerzbank vorsichtiger zwei bis zweieinhalb Prozent.

Für das Ruhrgebiet lesen sich dieselben Papiere anders. Die BVR-Studie vom März 2026 schreibt ausdrücklich von moderaten Preisrückgängen in ländlichen Gebieten und in vielen Städten des Ruhrgebiets, während sie für Düsseldorf und Köln spürbares Wachstum erwartet. Die Studie rechnet real, also nach Abzug der Inflation. Ein reales Minus kann nominal noch ein kleines Plus bedeuten. Schön ist die Aussage trotzdem nicht.

Warum das Baujahr in Witten über 100.000 Euro entscheidet

Wittener Wohnungen laufen gerade besser als Wittener Häuser. Beim Baujahr entscheiden sich hier mehr als 100.000 Euro.

Das spricht für heute: Die Bodenrichtwerte steigen in Witten stärker als bei den Nachbarn, der Kreismarkt hat 2025 um 14 Prozent zugelegt, und der Neubau ist auf einem Tiefpunkt. Bei Eigentumswohnungen ist die Nachfrage spürbar höher als bei Häusern.

Das spricht gegen Abwarten: Eine Zinsentlastung ist vor 2028 nicht in Sicht. Bei Eigenheimen stiegen die Angebotspreise über drei Jahre nur um 2,5 Prozent pro Jahr, also kaum über der Inflation. Und das Baujahr wirkt in Witten besonders stark: Wer ein unsaniertes Haus aus den 1960er oder 1970er Jahren hält, verliert mit jedem Jahr, in dem die Anforderungen an die Energieeffizienz steigen.

Was wir nicht behaupten: Wir sagen Ihnen nicht, dass die Preise 2027 fallen. Das wissen wir nicht, und niemand weiß es. Wir sagen Ihnen auch nicht, dass Sie sofort verkaufen müssen. Wenn Sie Ihre Immobilie selbst nutzen und bleiben wollen, ändert keine dieser Zahlen etwas daran.

Was wir sagen: Wenn ein Verkauf in den nächsten zwei bis drei Jahren ohnehin ansteht, dann ist das Argument „ich warte auf bessere Zinsen" durch die aktuellen Daten nicht gedeckt.

Quellen: Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Ennepe-Ruhr-Kreis mit der Stadt Witten, Grundstücksmarktbericht 2026 (Berichtsjahr 2025) und Vorjahresausgabe. NRW.BANK, Wohnungsmarktprofil Witten 2025. Stadt Witten, Mietspiegel 2023. Europäische Zentralbank, Pressemitteilung vom 29. Oktober 2026. Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026 (ifo, IfW Kiel, IWH, RWI) vom 24. September 2026. Verband deutscher Pfandbriefbanken, Immobilienpreisindex Q2 2026. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Volkswirtschaft kompakt 3/2026, gerechnet vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Bauzinskonditionen nach Interhyp und Dr. Klein, Stand 25. bis 30. Oktober 2026. Redaktionell aufbereitet und eingeordnet von 4West Immobilienpartner. Stand: 30. Oktober 2026. Prognosen sind keine Zusagen, und keine der genannten Zahlen ersetzt eine Bewertung Ihrer konkreten Immobilie.
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